Früher Frust
Ich hatte das Gefühl, ich gehöre nicht dazu, und das verwirrte mich. Ich verstand einfach nicht, warum ich mit den anderen in der Schule nichts anfangen konnte. Jahre später wurde mir klar, woran das lag - ich hatte keinen Bezug zu ihnen, weil sie sich nicht für Kunst oder Kultur interessierten.
Kurt

Ich wollte immer das Leben auf der Straße kennenlernen, den mein Leben als Teenager in Aberdeen war so langweilig. Aber ich war nie unabhängig genug, um es wirklich durchzuziehen. Ich habe Lebensmittelmarken beantragt, unter einer Brücke gewohnt, nur eine Hütte bei einem Sägewerk gebaut. Irgendwann bin ich dann nach Olympia gegangen. Bis ich die Melvins kennenlernte, war mein Leben wirklich langweilig. Aber plötzlich entdeckte ich eine ganz andere Welt. Ich fuhr immer mehr auf Musik ab, ging auch auf Konzerte und tat all das, was ich in der Highschool immer hatte tun wollen.
Kurt, 1992

Ich bin in verschiedenen Familien aufgewachsen. In erweiterten Familien. Ich habe bei Therapeuten, meinem Stiefbruder, dem Ex-Lover meiner Mutter und noch tausend anderen gewohnt, und es war einfach ätzend. Das ist meine persönliche Meinung. Ich finde, wenn man heiratet, sollte das für immer sein. Auch wenn ich schon mal verheiratet war und die Ehe annulliert wurde. Ich weiß auch nicht... Was mich angeht: Ich will Kinder von ein und dem selben Mann haben und mit ein und demselben Mann zusammen sein.
Courtney, 1992

Ich wäre fast Republikanerin geworden, so wie ich aufgewachsen bin. Ich meine, ich bin von weißen Prolos erzogen worden, die sich für Hippies hielten. Aber ich finde es total wichtig, eine Mutter und einen Vater zu haben.
Courtney, 1992

Ich war ein absolut depressives Kind. Ich bin jeden Abend ins Bett und hab mir die Seele aus dem Leib gebrüllt. Ich habe immer versucht meinen Kopf zum platzen zu bringen, indem ich die Luft anhielt - ich dachte, wenn mein Kopf platzt, dass wird es ihnen schon Leid tun... Ich wollte sterben. Ich wollte töten. Ich wollte irgendwas kaputthauen.
Kurt, 1993

Typen in gestreiften Hosen, die im Kreis um mich herumstehen, und meine Mutter, die sagt, ich soll einen auf junger Frühling machen. Leute in Zelten, die mir mit wildem Blick das Gesicht anmalen. Ich erinnere mich an ein riesiges Haus in San Francisco und an all die exotischen Freundinnen meines Vaters. Wir zogen dann ziemlich schnell nach Oregon, und dort wurde alles etwas normaler. Meine Mutter heiratete noch mal und ging in Eugene aufs College.
Courtney über ihre Kindheit
 

Im Grunde meines Herzens glaube ich, dass meine Mutter unheimlich viel auf mich projeziert hat, weil sie so einen Widerwillen gegen meinen Vater hatte, und das nehme ich ihr auch nicht übel. Aber sie würde das niemals zugeben. Wenn ich ein Kind hätte, und sein Vater mich zurückweisen würde, dann hätte ich damit auch ganz schöne Probleme. Aber da ich die Geschichte meines Vaters kenne, weiß ich auch nicht, ob ich versucht hätte, das irgendwie auszugleichen.
Courtney über ihre Beziehung zu ihrer Mutter

Es gab so'ne Clique von schwererziehbaren Mädchen bei uns, die faszinierten mich immer mehr. Ich hatte in Neuseeland gelebt, stand total auf die Rollers, hatte so'ne halbe David-Bowie-Frisur, und in der Schule fiel ich völlig aus der Reihe. Ich hab ganz gut Keile abgekriegt, und irgendwann wurde ich ziemlich aggressiv. Ich war ein echter Mickerling - kein Busen, keine Periode, keine Pubertät, und die haben ständig auf mir rumgehackt. Irgendwann entdeckte ich, dass ich richtig gut kämpfen konnte, wenn ich mir vorstelle, dass ich mein Gegenüber umbringen würde. Ich fing an, im Einkaufszentrum rumzuhängen, mit so'n paar Teenie-Nutten.
Courtney über ihre inzwischen legendären Prügelkünste, 1995

Zuerst hieß ich Love Michelle Harrison, dann Courtney Michelle Harrison, dann Courtney Michelle Rodriguez dann Manely und schließlich Courtney Love.
Courtney Love über ihren Namen, 1995

Ich war richtig hübsch, bis ich so elf, zwölf war, das sieht man, finde ich, auf der Rückseite von "Live Through This" ganz gut. Ich sah so'n bisschen aus wie Eddie Vedder. Ich war die letzte weit und breit, die einen Busen bekam. Ich war das Mädchen, das nie in die Pubertät kommen würde, ich sah ewig aus wie sieben. Und dann wurde ich hässlich. Aber ganz früher war ich meistens eine der Hübschesten im Raum, allerdings auf eine ungewöhnliche Art. Trotzdem wusste ich genau, was ich da hatte, und habe es voll ausgenutzt, so dass ich es echt vermisst habe, als es dann weg war. Das fand ich Scheiße an der Pubertät - sie hat mir meine Schönheit weggenommen.
Courtney, 1993

99% der Leute in Aberdeen hatten keine Ahnung, was Musik überhaupt ist. Oder Kunst. Die wurden alle Holzfäller. Ich war ein echter Hänfling, wirklich, und deshalb wollte ich nicht in die Holzindustrie.
Kurt

Ich wollte immer in die Großstadt. Ich wollte nach Seattle, mir dort 'nen Kinderficker suchen, auf den Strich gehen, ein Punkrocker werden. Aber ich war zu feige, und deshalb bin ich viel zu lange in Aberdeen geblieben, nämlich bis ich zwanzig war.
Kurt, 1992

Als ich ungefähr zwölf war, wollte ich ein Rockstar werden - so wollte ich mich an all den Sportskanonen rächen, die immer die Mädchen abschleppten. Aber lange bevor ich dann tatsächlich ein Rockstar wurde, erkannte ich, dass das Schwachsinn war.
Kurt, 1992
 
Die Cheerleaders fanden mich süß. Die Sportlertypen versuchten sich mit mir anzufreunden, weil sie wussten, dass ihr Mädels mich süß fanden. Hab es vorgezogen mich nicht mit denen abzugeben. Hat echt Spaß gemacht, denen immer wieder dazwischenzufunken.
Kurt über die Highschool

Ich wurde ständig herumgeschoben. Ich komme aus einer echt gestörten Familie. Meine Mutter ist total distanziert. Mein leiblicher Vater ist verrückt. Der einzige normale Mensch bei uns in der Familie ist mein Stiefvater, aber mit dem hatte ich nicht so viel zu tun. Ich war vier Jahre lang in der Erziehungsanstalt und drei Jahre im Internat. Ich versuchte ein Drogi zu werden, denn die waren einfach die Härtesten. Ich habe mich total einsam gefühlt und war echt daneben. Aber dann habe ich Patti Smith entdeckt. Sie hat mir das Leben gerettet.
Courtney, 1992

Ich war es leid, so zu tun, als wäre ich jemand anders, nur um mit den anderen klarzukommen, um Freunde zu haben. Ich trug damals Flanellhemden und kaute Tabak, und so habe ich dann jahrelang wie ein Mönch in meinem Zimmer gelebt und völlig vergessen, wie es ist, Kontakt zu anderen zu haben.
Kurt, 1992

Man musste nicht viel tun, um da für extrem gehalten zu werden. Bloß'n Haufen Acid schlucken.
Kurt über seine Heimatstadt Aberdeen, 1991

Singen wollte ich nie. Ich wollte nur Rythmusgitarre spielen - mich im Hintergrund verstecken und spielen. Aber immerhin bin ich damals an der Highschool als ich immer in meinem Zimmer saß und Gitarre übte, darauf gekommen, dass ich meine eigenen Songs schreiben muss.
Kurt, 1994

Strippen ist okay. Besser als Prostitution. Ich hatte Glück, denn ich war fett. So achtete niemand auf mich. Das war damals völlig normal - die Mädchen, die in Bands spielten, machten das alle, damit sie sich Gitarren und Verstärker kaufen konnten.
Courtney

Naja, mich kann einfach nichts mehr schocken. Ich bin jahrelang neue Situationen immer wieder mit einer gewissen Naivität und Unschuld angegangen, aber irgendwie bin ich zur Zynikerin geworden. Zynismus ist nach außen hin etwas Gutes, aber wenn man ihn in sich hat, ist das ganz übel. Ich wollte immer nur Rockmusik machen, mein Leben lang. Ob das nun auf dem Rücksitz eines Camaro war, wo ich Pot rauchte und Journey hörte, zusammen mit irgendeinem Typ, der mich flachlegen wollte, oder damals, als ich zum ersten mal die Pretenders hörte. Verdammt, Chrissie Hynde hat mich echt gerettet, weißt du, sie hat das manifestiert. Sie war eine Pragmatikerin. Wer pragmatisch ist, schreibt gute Songs. Und wer Drogen nimmt auch. Unter Drogen geschriebene Songs sind super, das sehe ich schon auch so. Aber ich schreibe Songs, die clean sind.
Courtney, 1994

Alle Eltern machen die gleichen Fehler. Ich weiß nicht genau, welche, aber meine Geschichte ist genau die gleiche wie die von 90% der Leute in meinem Alter. Die Eltern haben sich alle scheiden lassen, und ihre Kinder haben während ihrer gesamten Highschoolzeit Pot geraucht. Die sind in einer Zeit aufgewachsen, als eine massive kommunistische Bedrohung gab und alle dachten, wir würden in einem Atomkrieg zugrunde gehen, und dann hat sich in unserer Gesellschaft die Gewalt immer mehr ausgebreitet, und alle reagieren gleich darauf. Und alle haben mehr oder weniger die gleiche Persönlichkeit. Es gibt eigentlich nur eine Handvoll Leute, in meinem Alter, vielleicht fünf verschiedene Persönlichkeiten, und die sind alle noch miteinander verflochten. Ich finde nicht, dass unsere musikalische Version von alldem irgendwie anders ist als die all der anderen Bands, die zur gleichen Zeit entstanden sind wie wir.
Kurt, 1994

Bei uns im Haus hingen immer diese haarigen Hänge-Arsch-Hippies rum. Wir hatten ein riesiges Haus in Marcola, Oregon, und diese Hippies haben da ihre Gestalttherapie abgezogen, sind nackt um den Swimmingpool gerannt und haben geschrieen. Meine Mutter hat auch knallhart den geschlechtsneutralen Haushalt durchgezogen: keine Kleidchen, keine Lackschuhe, kein Himmelbett, nichts.
Courtney über ihre Kindheit, 1995

Ich hatte eine wirklich schöne Kindheit, bis ich neun war. Dann lief die klassische Scheidungsgeschichte, und darunter habe ich sehr gelitten; ich wurde ständig in meiner Verwandtschaft herumgereicht. Ich wurde total depressiv und zog mich in mich selbst zurück.
Kurt, 1992