Medien
Es war, als wäre die Welt am Abend noch in Ordnung gewesen und am nächsten Morgen hätten sie in den Nachrichten gesagt, ich sei ein entflohener Kindermörder.
Kurt Cobain erinnert sich an die Zeit kurz vor Nevermind
 
Das alles berührt mich weniger als es vielleicht den Anschein hat... ich bin nicht so, wie viele Journalisten mich immer darstellen. Ich habe eher eine ziemlich lockere Einstellung dazu.
Kurt Cobain, auf die Frage wie er mit dem unverhofften Ruhm umgehe
 
Echt, nach all dem Mist, den ich in den letzten anderthalb Jahren über mich und vor allem meine Frau habe lesen müssen, hätte ich eine richtig haßerfüllte Platte rausbringen sollen. Ich hätte jede Chance nutzen sollen, um die betreffenden Leute zu attackieren, ich sehe das wirklich so, aber es bringt einfach nichts. Ich gelte ja so schon als Heulsuse und Jammerlappen.
Kurt, 1993

Courtney hat eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wie die Medien arbeiten. Ich habe da nie richtig drauf geachtet. Nee, echt, ich käme nie auf die Idee, meine Freunde mit Klagen über so'n Scheiß zu langweilen.
Kurt, 1993

Ich glaube, Courtney und ich haben gelegentlich zuviel gesagt oder auch Unnötiges gesagt. Auch wir lernen halt noch dazu, so wie alle. Aber ich finde, es tut nicht gut, all dieses negative Zeug zu lesen und ich versuche es soweit wie möglich zu ignorieren. Oft sagt Courtney: "Okay, hier ist wieder eine" und fängt an zu lesen. Ich gehe dann einfach aus dem Zimmer. Es macht mir bloß was aus, weil es ihr noch mehr ausmacht. Sie ist nicht aus Stein, sie ist nicht so wie sie immer, beschrieben wird, sie hat Gefühle, genau wie jeder Mensch und das geht ihr alles ganz schön nahe. Sie kämpft ständig gegen diese Sachen an und versucht sie richtigzustellen.
Kurt, 1993

Die hektische Außenwelt war unser Feind - der Horror. Ich versuchte Kurt davon abzuhalten, Artikel über sich zu lesen, habe ihm keine Zeitschriften mehr gekauft. Aber er ist losgezogen und hat sich selbst welche gekauft. Er war richtig süchtig danach. Jede kleine Spöttelei, jede Karikatur, jeder Kommentar. Er war jemand, der es nicht ertragen konnte, wenn etwas, das er gesagt hatte, falsch wiedergegeben wurde. Und wenn es um die übliche Bezeichnung für irgendeinen Scheiß ging... Außerdem war er sein Leben lang nicht besonders beachtet worden. Er wollte beliebt sein, war wirklich drauf aus, den Leuten zu gefallen. Einmal fand er einen Stapel Zeitschriften, die ich vor ihm versteckt hatte, Exemplare aus einem Zeitraum von rund drei Monaten. Wir sind echt handgreiflich geworden. Ich versuchte sie ihm wegzunehmen, er saß auf dem Boden und riss Seiten heraus. Er war wie ein Tier, das man in die Enge getrieben hat. Er schlug nach mir: "Geh weg, geh weg." Ich konnte ihn nicht bremsen. Ich versuchte ihm klarzumachen: "Das ist doch nichts Grundsätzliches, das geht vorbei." "Da hast du verdammt recht, dass das vorbeigeht. Ich mache nie mehr Musik. Ich werde nicht hier sitzen und abwarten, bis es vorbeigegangen ist." Das übliche Zeug, was er halt so sagte.
Courtney über Kurt und die Medien, 1994

Ich muss bloß meinen Finger ablecken, ihn hochstrecken und schon klebt Scheiße dran.
Courtney, 1995

Ich glaube, einen schlechten Ruf als Band haben wir einzig und allein wegen diesen Artikeln über uns und diese ganze Drogengeschichte. Zum Beispiel ist und vorgeworfen worden, wir würden die Leute zum Aussteigen animieren. Aber falls wir das tun, dann zumindest nicht auf die faule Tour. Ich meine, ich hatte immer die Idee, dass wie diese ganze Rumhängerei eigentlich attackieren. Aber wir haben eben auch auf ein paar Sachen hingewiesen, die in unserer Gesellschaft nicht in Ordnung sind und ich weiß, dass es Leute gibt, denen das nicht behagt, die das für gefährlich halten. Und ich glaube, dass die uns deswegen immer wieder anmachen.
Kurt, 1993

Normalerweise halte ich mich an J Mascis' fünftes Amendement und sage nichts. Mir persönlich ist es egal, worum es in der Musik meiner Lieblingsband geht oder was für persönliche Interessen die einzelnen Musiker haben. Meistens interessiert mich nur die Musik. Von mir aus könnten sie den letzten Kauderwelsch von sich geben, solange es nur gut klingt.
Kurt, 1992

Denk dran: Wenn du irgendwas Fieses über mich schreibst, komme ich und sprenge deine Toilette in die Luft.
Courtney, 1994

Ich sehe diese Sachen immer noch, Porträts von Rockstars in irgendwelchen Zeitschriften, wo es dann heißt: "Sting, der geistvolle Ökofreak" und "Kurt Cobain, der jammernde und klagende neurotische Meckerer, der alles hasst - das Leben als Rockstar, das Leben an sich." Dabei bin ich noch nie so glücklich gewesen wie zur Zeit. Ich bin viel glücklicher, als viele Leute meinen.
Kurt, 1994

Ich weiß nicht, wie ich erklären soll, was mit mir vorgeht, wenn ich ein Interview gebe, denn normalerweise erzähle ich nichts von mir. Es ist wirklich schwer zu erklären. Ich werde einfach nicht gerne persönlich. Ich will nicht, dass irgend jemand anders weiß, was ich fühle und denke, und wer keine Vorstellung davon bekommt, was für ein Mensch ich bin, wenn er meine Musik anhört, der hat halt Pech gehabt.
Kurt, 1992

Man kann nicht allen gefallen. Es interessiert mich nicht, ob ich kritisiert werde. Schlechte Kritiken sind mir scheißegal. Und es ist mir wurscht, ob die Leute mich als Zicke oder als Ekel bezeichnen, denn genau das bin ich.
Courtney, 1992

Was ich nicht ertragen kann, sind die Lügen. Die Lügen machen mich fertig. Wenn dieses letzte furchtbare Jahr irgend etwas bewiesen hat, dann dies: Wer Lügen über uns verbreitet, kriegt von mir eins in die Fresse, von Kurt wird er erschossen und von uns beiden verklagt.
Courtney, 1994

Ich dachte mir, wenn ich erstmal in Vanity Fair bin, halten sie ihre verdammten Mäuler und lassen mich in Ruhe. Aber das war mein Fehler, ich hätte es einfach nicht tun sollen. Ich hätte wissen müssen, wie die Mainstream-Presse funktioniert.
Courtney zu dem rufschädigenden Artikel in Vanity Fair, 1992

Ich habe Vanity Fair gegenüber ungefähr sechzig sarkastische Kommentare gemacht und die in ihrer unglaublichen Blödheit haben sie einfach alle übernommen. Überhaupt hatten die die Einstellung drauf: "So, jetzt schauen wir mal ein bisschen auf diese schäbigen Punk-Kids herab und machen ein paar Anspielungen darauf, dass Erfolg in ihrer Welt ja was Negatives ist. Sind sie nicht putzig?"
Courtney, 1993

Ich hatte die Theorie, dass das Bild, das jemand auf der Bühne von sich vermittelt, genau das Gegenteil von seiner eigentlichen Persönlichkeit ist. Bei Kurt hieß es immer: "Leckt mich am Arsch." Und letztlich war sein größtes Problem im Leben eben genau, dass er nicht: "Leckt mich am Arsch" sagen konnte. In Wirklichkeit, im tatsächlichen Leben, bin ich ultrasensibel. Aber die Leute meinen, ich wäre nicht verletzlich, weil ich mich nicht verletzlich zeigte.
Courtney, 1994

Ich geh in eine Bar, geh wieder nach Hause und weiß: Egal wie still ich war oder was ich nicht alles getan habe, es wird eine Woche lang die Rede davon sein, dass ich reingekommen bin, herumgebrüllt habe und es mit irgend jemand auf dem Boden getrieben habe.
Courtney, 1995

Ich habe einiges aushalten müssen, aber die meisten Angriffe galten nicht mir, sondern einem Menschen, den ich total liebe, meiner besten Freundin, die alle zwei Monate total auseinandergenommen und fertiggemacht wird, wenn nicht sogar öfter. Alle zwei Monate lese ich einen negativen Artikel über sie. Oft kann ich dem auch gar nicht aus dem Weg gehen, weil Courtney ständig irgendwelche Artikel von ihrem Pressemensch zugefaxt bekommt. Allerdings kann man sich dadurch auch schützen: So vergisst man nämlich nicht, wer einen angepisst hat und kann dafür sorgen, dass man nie mehr mit den entsprechenden Leuten zu tun hat. Außerdem lesen wir diese Sachen auch deshalb, weil wir aus der Kritik lernen können. Wenn ich nie meine Interviews lesen würde, könnte ich auch nie sagen: "Jaja, das war ja echt bescheuert, was ich da gesagt habe. Das versuche ich lieber mal etwas zurechtzurücken."
Kurt, 1993

Das deutlichste "Fuck You" meines Lebens gilt den hohlen aufgeblasenen, unentschuldbaren und wichtigtuerischen Lügen von Lynn Hirschberg und all den Lemmingen, die ihr gefolgt sind, obwohl sie wussten, dass der Artikel bösartig und völlig daneben war. Ich finde es sehr traurig, dass wir uns in der Geschichte der Rockmusik nicht weiterentwickeln können, sondern statt dessen uns diese lächerlichen, archetypischen, reaktionären Rock-Rollen zugeschrieben werden. Wir sind anständige Leute mit ethischen Gründsätzen, wir haben kein Interesse daran, mit unverhülltem Sexismus, Verrat oder Skandalen in Verbindung gebracht zu werden, die irgend jemand einfach so aus der Luft gegriffen hat. Und jetzt müssen wir uns mit dem Verrat und den Belästigungen irgendwelcher "Insider" und aufstrebender Groupie-Journalisten auseinandersetzen, die uns wie Star-anheulende Schakale umschleichen und auf den großen Leichenschmaus warten, alles nur wegen Ms. Hirschbergs ganz persönlicher krankhafter Fixierung auf uns. Ich habe aus dieser ganzen Angelegenheit vor allem eins gelernt: Das Leben eines gescheitertes Groupies ist traurig und gefährlich. Ich möchte all denjenigen Presseleuten danken, die erkannt haben, was lief und uns nicht für eine Story verraten und verkauft haben. Und die unsere Musik nicht mit etwas besudelt haben, das nichts mit Musik oder überhaupt auch nur mit der Realität zu tun hat. Mal sehen, worüber ich mich sonst noch beschweren könnte... ach ja: Es bereitet mir nicht die allergeringsten Schuldgefühle, dass ich eine völlig ausgelaugte Rock- und Jugend-Kultur kommerziell ausschlachte, denn zum gegenwärtigen Zeitpunkt in der Rockgeschichte ist es mit dem Punk meiner Meinung nach aus und vorbei. Wir wollten einfach etwas würdigen, das uns das Gefühl vermittelt hat, wir wären aus dem Misthaufen der Anpassung herausgekrochen. Wollten es würdigen wie ein Elvis- oder Jimi-Hendrix-Imitator in der Tradition der durchschnittlichen Unterhaltungsbands. Ich bin der erste, der zugibt, dass wir die Neunziger-Jahre-Ausgabe von Cheap Trick oder The Knack sind, aber ich wäre der letzte, der behauptet, das hätte keinen Spaß gemacht. An dieser Stelle möchte ich unsere Fans um etwas bitten: Falls es unter euch Leute gibt, die Homosexuelle, Menschen anderer Hautfarbe oder Frauen hassen, tut uns einen Gefallen und lasst und gefälligst in Ruhe! Kommt nicht zu unseren Konzerten und kauft unsere Platten nicht.
Kurts beißende Kritik an Lynn Hirschberg von Vanity Fair, die ursprünglich in den Linernotes von Incesticide erscheinen sollte, im letzten Moment jedoch zurückgezogen wurde.