Songwriting
Meine Songs werden mit der Zeit immer poppiger - in dem Maß, wie ich glücklicher werde. Meine Lieder handeln jetzt von Problemen in Beziehungen, von Gefühlen. Wir schreiben inzwischen viel mehr Popsongs, so wie "About A Girl" auf Bleach. Für manche Leute sieht das vielleicht so aus, als ob wir uns verändern, aber für uns waren diese Dinge schon immer da. Wir fangen bloß erst jetzt an sie auszudrücken
Kurt, 1989

Ich habe mich gleich ans Liederschreiben gemacht, als ich meine erste Gitarre hatte, statt erst Van-Halen-Songs spielen zu lernen. Ich musste meinen eigenen Stil entwickeln. Ich kann bis heute nur eine Handvoll Covers spielen, und das sind die, die ich lernte, als ich auf der Gitarre anfing: My Best Friend's Girl von den Vars und Led Zeppelins Communication Breakdown.
Kurt

Wenn ich einen Song schreibe, ist der Text das Unwichtigste. Manchmal behandle ich zwei oder drei verschiedene Themen in einem Song, und auch der Titel muss überhaupt nichts bedeuten.
Kurt, 1989

Zum einem Teil sind es einfach Geschichten. Ich meine, Neil Young schreibt auch Geschichten, und keiner denkt... naja, du weißt schon was ich meine. Die Songs haben tatsächlich eine kartartische Wirkung, wie eine Teufelsaustreibung, und es tut immer noch total gut, sie zu singen, aber andererseits sind viele auch einfach bloß Geschichten. Ich bin keine Charakterdarstellerin, sondern Songwriterin.
Courtney zu ihren Texten, 1991

Da geht's um ein junges Mädchen, das entführt wurde. Der Kerl fuhr sie in seinem Laster durch die Gegend, hat sie gefoltert und vergewaltigt. Die einzige Chance, die sie hatte, um von ihm wegzukommen, war, auf ihn einzugehen und ihn dazu zu bringen, sie loszubinden. Das hat sie auch getan, und so ist sie entkommen. Kannst du dir vorstellen, wieviel Kraft das gekostet hat?
Krist Novoselic über die wahre Geschichte, die dem Text von Nirvanas Song "Polly" zugrunde liegt

Unsere Songs handeln vom Sich-Verändern, von Frustration. Da gibt es diese Hymne, die die Skate-Rock-Kids für sich reklamiert haben, Don't Resist - dass man keinen Widerstand leisten soll, wenn man unterdrückt wird - No Recess, einer unserer neuen Songs, war so eine Art Vision von mir, dass man schon in der Schule immer zu irgendeiner Clique gehört, und wenn man erwachsen ist, wiederholt sich das dann alles bloß wieder, mit Freunden, auf Party's oder irgendwelchen Clubs, so wie früher in der Highschool. Es ist genau das gleiche.
Kurt, 1991

Mami und Papi verschwinden irgendwohin und lassen den Jungen bei seinen Großeltern zurück. Er versteht überhaupt nicht, was da mit ihm passiert. Aber, hey, mach dir keine Sorgen um ihn, Opa misshandelt ihn nicht. Und in der letzten Strophe wacht er dann wieder in den Armen seiner Mutter auf.
Kurt über Sliver, 1991

Wir sind ganz sicher keine Erneuerer. Wenn es den Sub Pop Sound nicht gäbe, würden wir trotzdem genauso spielen. Am ehesten kann man uns wohl mit den Stooges vergleichen - vom Drive und von der Energie her.
Krist Novoselic über den Nirvana-Sound, 1991

Und zum Schluss will ich noch eins sagen. Diese letzte Platte (Pretty On The Inside), die war in vielfacher Hinsicht wirklich gehässig und boshaft. Wir tragen halt auch einen Haufen Scheiße mit uns rum, weißt du, und... Aber ich entdecke zur Zeit gerade das Liederschreiben - vielleicht wird unser nächstes Album eher wie ein Tribut an die Beach Coys klingen. Vielleicht auch nicht. Auf jeden Fall weiß ich, dass wir uns weiterentwickeln und dass es da draußen ein Pop-Bewusstsein gibt, von dem ich eigentlich gar nicht weiß.
Courtney, 1991

Meine Musik ist zum größten Teil wirklich persönlich, also, in bezug auf die Gefühle und die Erfahrungen, die ich so gemacht habe. Die Themen meiner Songs sind allerdings meistens weniger persönlich. Das sind eher Geschichten aus dem Fernsehen, aus Büchern, aus Filmen oder von Freunden. Aber die Gefühle sind auf Jeden Fall meine eigenen.
Kurt, 1992

Bleach haben wir für 600 Dollar auf acht Spuren aufgenommen. Wir haben es in drei Tagen eingespielt, es rausgedrückt, volle Power. Diesen Druck dahinter spürt man auch. Bei Nevermind hatten wir Glück, da waren wir in so'nem Siebziger-Jahre-Stundio. Das war wie in einer Zeitmaschine. Wie eine alte Kordhose, die schon etwas abgeschrubbert ist. In so 'nem Studio haben Abba wahrscheinlich ihre Platten aufgenommen. Wir sind da eingelaufen, immer auf den letzten Drücker, und dann haben wir alles um uns herum vergessen.
Krist Novoselic, 1992

Es handelt von Mundgeruch und Deospray.
Kurt über "Smells Like Teen Spirit", 1992

Fast all meine Texte sind Cut-ups, Ausschnitte aus Gedichten und so was. Und sie stammen aus Gedichten, die meistens selbst gar keine richtige Aussage haben, die selbst oft Cut-ups sind. Oft muss ich die Teile, die ich benutze, noch verändern, damit sie in den Song passen, also sind es nicht mal richtige Gedichtsausschnitte.
Kurt, 1993

Da geht's einfach um Leute, die keine großen Ansprüche stellen, Leute die nicht nur unfähig sind, sich vom Kopf her weiterzuentwickeln, sondern die wirklich glücklich und zufrieden sind, wenn sie zehn Stunden am Tag Fernsehen kucken können. Ich habe schon viele solche beschränkten Gestalten kennengelernt. Sie haben einen beschissenen Job, sind vielleicht total einsam, haben keine Freundin, kaum Kontakte, und trotzdem sind sie aus irgendeinem Grund glücklich...
Ich wünschte, ich könnte einfach eine Pille schlucken und dann das Fernsehen unterhaltsam finden und mich an den einfachen Dingen des Lebens erfreuen, statt immer so kritisch zu sein und wirkliche Qualität zu erwarten statt Scheiße. Der Song handelt nicht von mir, aber er hat es mal getan. Schon allein das Wort glücklich zu verwenden fand ich mal eine nette Abwechslung zu all dem negativen Zeug, das wir vorher gemacht haben.
Kurt zu dem Song "Dumb", 1993

Ich schreibe nur sehr selten über ein einziges Thema. Meistens finde ich es nach einer Weile langweilig, wechsle mitten im Song zu einem andren Thema über und höre schließlich mit noch einer anderen Idee auf.
Courtney, 1994

Es ging total schnell. Die meisten Tracks hatten wir innerhalb von einer Woche eingespielt und ich habe rund achtzig Prozent des Gesangs an einem einzigen Tag gemacht, in ungefähr sieben Stunden. Ich war einfach gut drauf - ich hatte einen guten Tag und habe halt immer weitergemacht.
Kurt zu den Aufnahmen für "In Utero", 1994

Teen Spirit war echt ein völlig abgedroschenes Riff. Es klang fast wie ein Bosten-Riff oder Louie Louie. Als ich den anderen den Gitarrenpart vorspielte, sah Krist mich und an sagte: "Das ist ja wirklich mal völlig daneben." Ich lies sie dass Riff dann anderthalb Stunden lang spielen.
Kurt, 1994

Ich fang halt mit der Strophe an, und dann kommt der Refrain. Aber mich ödet dieses Schema langsam echt an. Denn es ist ein Schema, und man kann auch nicht besonders viel damit machen. Wir haben das mit der Band inzwischen voll ausgeschöpft, und es ist uns allen ziemlich über.
Es ist an sich ein dynamischer Stil. Aber ich benutze die Dynamik nur in zwei Richtungen. Ich könnte viel mehr damit machen. Krist, Dave und ich haben so lange an diesem Schema gearbeitet - also, erst leise sein und dann laut werden -, dass es schlichtweg langweilig für uns geworden ist. Das läuft immer nach dem Muster: "Okay, hier hab ich ein Riff. Erst spiele ich es leise ohne Verzerrer, während ich die Strophe singe. Und dann schalten wir den Verzerrer und hauen mal ordentlich auf die Drums." Ich möchte lernen, mich mehr zwischendrin zu bewegen, fast schon psychedelisch, allerdings mit viel mehr Struktur. Das ist wirklich schwierig, und ich weiß nicht, ob wir dafür gut genug sind, als Musiker.
Kurt, 1994

Alle heben immer wieder auf Teen Spirit ab. Der Grund, warum so viele Leute darauf anspringen, ist einfach der, dass sie das Stück tausendmal auf MTV gesehen haben. Es ist ihnen regelrecht eingehämmert worden. Aber ich finde, ich habe jede Menge andere Songs geschrieben, die genausogut, wenn nicht besser sind, zum Beispiel Drain You. Das ist mindestens genausogut wie Teen Spirit. Ich finde den Text super, und ich spiele es immerwieder gern. Aber wenn es genauso ein Erfolg wäre wie Teen Spirit, würde es mir vielleicht auch nicht mehr so gefallen.
Kurt, 1994

Punkrock sollte Frechheit bedeuten: Dass man alles akzeptiert und mag, was einem gefällt und alles war einem gefällt so schludrig spielt, wie man solange es gut ist und mit Leidenschaft gespielt wird.
Kurt

Bisher hatten wie bei jeder Platte, die wir gemacht haben, ein bis drei Songs aus unseren Aufnahmesessions übrig. Und meistens waren es ziemlich gute Songs, die uns wirklich gefallen haben, das heißt, wir hatten immer etwas, auf das wir zurückgreifen konnten, einen Hit oder irgendetwas Überdurchschnittliches. Dieses nächste Album (In Utero) wird also echt interessant, denn diesmal habe ich gar nichts mehr. Ich fange zum erstenmal wirklich ganz von vorne an. Ich habe keine Ahnung, was wir machen werden.
Kurt, 1994

Es ist uns nicht gelungen, auch die leichtere, dynamischere Seite unserer Band zu zeigen. Die Kids wollen den fetten Gitarrensound hören. Wir spielen diese Sachen eigentlich gerne, aber ich weiß nicht, wie lange ich das noch durchhalte, mir ein ganzes Tour-Jahr lang Abend für Abend die Seele aus dem Leib zu brüllen.
Kurt, 1994

So wörtlich, wie ein Witz halt gemeint ist. Nicht mehr als ein Witz. Und das ist auch der Grund, warum wir beschlossen, ihn zu ändern. Wir wussten, dass die Leute das nicht kapieren würden, dass sie es zu ernst nehmen würden. Es war die absolute Satire, pure Selbstverarschung. Alle meinen, ich wäre ein zimperlicher, jammernder, durchgeknallter Schizophrener, der sich ständig umbringen will. So von wegen: "Der ist nie mal mit irgendwas zufrieden." Ich fand den Titel einfach witzig. Ich wollte auch schon lange mal ein Album so nennen. Aber ich wusste, dass die meisten Leute es nicht kapieren würden.
Kurt zur In Utero's Arbeitstitel "I Hate Myself And Want To Die", 1994

Ich habe immer hart an meinen Texten gearbeitet selbst als ich noch miserabel gespielt habe. Und deswegen finde ich das schon ziemlich seltsam. Wenn ich versuche, mit verschiedenen Stilen zu arbeiten und darauf achte, verschiedene Ideen so nebeneinanderzustellen, dass das Ganze nicht überladen und schwülstig wirkt, dann wird das einfach nur als vulgär bezeichnet. Dieses ganze Klischee, dass Frauen so psychomäßig drauf sind, das kotzt mich echt an. So nach dem Motto: "Oh, das ist alles Therapie für mich. Ich würde sterben, wenn ich das nicht schreiben könnte." Eddie Vedder sagt so'n Scheiß. Voll daneben.
Courtney, 1994

Auf "Live Through This" bin ich mit drei Gängen gefahren statt mit vier. Mein vierter Gang war blockiert, durch Drogen und meine Beziehung. Da war kein vierter Gang, den ich hätte benutzen können. Ich war nicht voll und ganz dabei. Es war in der Schule, wo ich mir den Stoff unter auf die Schnelle reinpaukte, aber nie Hausaufgaben gemacht habe. Ich wusste, wenn ich sie machen würde, bekäme ich 'ne Eins, aber ich habe mir kurz vorher alles in den Kopf gehämmert, und 'ne Zwei oder Zwei plus gekriegt. Die Grundlagenarbeit, die für die Eins nötig gewesen wäre, habe ich nie gemacht. Diese Platte war 'ne Zwei minus. Und ich wusste, dass ich in der Szene damit durchkommen würde.
Courtney zu der LP "Live Through This", 1994

Wenn das mal nicht pervers ist.
Courtney zur traurigen Ironie der Titelwahl für Holes LP "Live Through This", kurz nach Kurt's Tod

Ich lüge vielleicht oft, aber in meinen Texten nie.
Courtney, 1995

Man kann durchaus seine Würde wahren, wenn man zum einem großen Label geht. Sonic Youth haben das sehr geschickt gemacht. Ich habe das Gefühl, dass wir jetzt erfahren genug sind, um richtig damit umzugehen. Wir verändern uns zur Zeit ein bißchen - wir waren in den letzten 2 Jaren mehr auf leichter zugängliche, popmäßige Musik ausgerichtet, und da haben wir uns gedacht, dann können wir doch eigentlich auch ins Radio und ein bißchen Geld damit verdienen.
Kurt, 1990

Wir wissen bis heute nicht, wieviele Platten wir bei Sub Pop verkauft haben. Wir wissen nicht, wieviele Exemplare von Bleach wir verkauft haben. Und die haben auch keine gute Werbung für uns gemacht - zeig mir auch nur eine Anzeige für Bleach.
Kurt zu der umstrittenen Entscheidung, vom Independent Label Sub Pop zu Geffen Records zu wechseln

Solides Handwerk, so wie früher: etwas, das gut gemacht ist, das, naja für die Ewigkeit gebaut ist. Das sind die Werte meiner Großeltern - ziemlich genau das Gegenteil von dem, was heute üblich ist. Und für die Musik gilt das gleiche: Aufrichtigkeit, handwerkliches Können. Wenn man eine Arbeit ausführt, sollte man sie gut ausführen - das ist nicht mehr als guter Geschäftssinn. Genau das hat mein Großvater mir früher immer vorgebetet, bloß habe ich ihn damals nie verstanden.
Courtney übers Liederschreiben

Ich sehe meine neuen Songs als Popsongs, denn sie haben das übliche Popformat: Strophe, Refrain, Strophe, Refrain, Solo, geiles Solo. So harte Songs wie Paper Cuts oder Siftings wird es auf der neuen Platte nicht geben. Das wäre einfach langweilig. Mir ist es lieber, ich habe eine gute Hookline.
Kurt zur Entstehung von Nevermind, 1990

Die Aufnahmesession zu Bleach sind wir angegangen wie eine Radiosession. Der Schlüssel zu einem erfolgreichen Album liegt darin, sich so schnell wie möglich aus dem Studio zu verpissen, bevor einem die Songs zum Hals raushängen. Ich finde Bleach inzwischen echt ätzend.
Kurt, 1991

Die Leute meinen, ich wäre launisch. Ich finde das echt schwach, es gibt wirklich bloß zwei Typen von Sängern: Entweder du bist der launische Visionär, so wie Michael Stipe, oder du bist der hirnlose Heavy-Metal-Party-Typ, so wie Sammy Hagar.
Wahrscheinlich ist es besser, wenn man für einen launischen Visionär gehlten wird, als für ein hirnloses Partytier. Ich habe mal probiert, Alkoholiker zu werden, aber es hat nicht geklappt.
Kurt, 1992

Wie haben literweise Hustensaft und Jack Daniels runtergekippt, tagelang einfach nur auf der Couch im Studio rumgehangen und ab und zu ein paar Texte geschrieben. Wenn wir am Ende unserer Studiozeit unser Programm nicht abgehakt hätten, dann hätten wie unsere Songs einfach von Gloria Estefan oder Warrant oder J Mascis gekauft. J hat stapelweise Songs auf Lager, und er versucht auch immer, sie anderen anzudrehen. "Hey, willste'n Song für'n Vierteldollar?" Wie konnten uns das jetzt leisten, weil wie bei einem großen Label sind.
Kurt zu Nevermind, 1992

Ich habe tatsächlich zugelassen, dass die Platte [Nevermind] sauberer und kommerzieller produziert wurde, als ich sie eigentlich haben wollte. Ich weiß nicht, was mich dazu bewegt hat, außer dass ich es endgültig leid war, immer wieder die gleichen Songs zu hören. Wir hatten dreimal versucht, sie neu abzumischen, und dann riegen wir so'n Abmisch-Profi an. Und da ich die Songs zu diesem Zeitpunkt wirklich nicht mehr hören konnte, hab ich einfach gesagt:"Mach was du willst."
Kurt, 1993

Mit dem Punk ist in den späten Siebzigern genau dass gleiche passiert. Die großen Plattenlabels haben Punkbands unter Vertrag genommen, die meistens gerade erst ihren ersten Gig hinter sich hatten. Die spielten ihren ersten Gig, und dann unterschreiben sie gleich bei einem großen Label, einfach weil es gerade in war. Das beweist, dass in der Musikindustrie noch jede Menge Dinosaurier herumgeistern, die endlich von der Bildfläche verschwinden müssen.
Kurt

Wir waren zwei Wochen in Minnesota und haben dort ein paar der besten Tracks eingespielt, die wir je gemacht haben. Die meisten davon sind auch perfekt abgemischt. Aber Steve Albini wollte nicht viel Zeit aufs abmischen verwenden, und wir fanden, dass auf einigen Tracks der Gesang nicht laut genug war. Das wollen wir ändern.
Kurts Pressemitteilung zu der Frage, warum die Endabmischung von "In Utero" so lange dauerte

Steve Albini hat sich eine Karriere daraus gebastelt, anti-komerziell oder anti-establishment zu sein. Aber eine Rockplatte wird nicht dadurch gut, dass sie kommerziell oder anti-kommerziell ist. Auf die Songs kommt es an, und solange die Songs nicht so sind wie wir sie haben wollen, wird Nirvana diese Platte nicht herausbringen.
Kurt zu Ablinis Produktion von "In Utero", 1993

Es gibt ein paar Songs auf "In Utero", die noch ein bisschen besser hätten herausgearbeitet werden können. Pennyroyal Tea gehört auf jeden Fall dazu. Das wurde nicht richtig aufgenommen, damit stimmt was nicht. Das hätte so aufgenommen werden sollen wie Nevermind, denn es ist ein starker Song, eine Hit-Single.
Kurt zu den Problemen bei der Produktion von "In Utero"

Es war klar, dass die Plattenfirma wollte, dass wir die Sachen nochmal neu aufnehmen oder zumindest neu abmischen, auch wenn es nie einer ausgesprochen hat, aber ich konnte damals gar nicht viel sagen, denn ich war mir selbst nicht sicher, was ich an der Platte anders haben wollte. Als ich sie das erstemal zuhause abspielte, wusste ich, dass irgendwas daran nicht stimmte. Ich hatte die ganze erste Woche keine rechte Lust, mir die Platte überhaupt anzuhören, und das passiert sonst nie. Es ist einfach nichts rübergekommen, und das gibt es sonst nie. Ich habe nichts dabei gefühlt, ich war wie betäubt. Also haben Krist, Dave und ich uns die Platte drei Wochen lang jeden Abend angehört und versucht rauszukriegen, was nicht stimmte. Wir haben darüber geredet und sind zu dem Entschluss gekommen, dass der Gesang nicht laut genug war, dass man den Bass kaum hörte und den Text nicht verstehen konnte. Das war eigentlich alles. Uns war klar, dass Neuaufnahmen nicht drin waren, denn wir wussten, dass der Sound eigentlich stimmte - es war im Prinzip der typosche Steve Albini Sound, und genau den wollten wir unbedingt haben. Also beschlossen wir, zwei unserer Lieblingstitel neu abzumischen, einfach um es mal auszutesten und es dabei dann auch zu belassen, denn wenn wir mehr neu abgemischt hätten, dann hätte das die Grundstimmung auf der Platte kaputt gemacht. Wir beschlossen, uns nochmal ans Mastering ranzuwagen, obwohl wir davon nichts verstanden. Wir dachten, das wäre das letzte Stadium in dem gesamten Prozess, wo man die Bänder durch eine Maschine laufen lässt, die dann eine Platte daraus schneidet oder irgendwie so. Wir gingen also ins Tonstudio und dort erfuhren wir, dass man auch den Gesang komplett rausnehmen kann, wenn man es will. Es ist echt ein Hammer. Also, wir haben dann dem Bass mehr Höhen verpasst, damit man die einzelnen Töne richtig hören konnte, haben den Gesang lauter gemacht, das Ganze vielleicht noch etwas komprimiert, und das was gefehlt hatte, danach stimmte alles. Wir wussten gleich, dass die Entscheidung richtig gewesen war, und damit war die Sache dann auch gegessen. Jetzt würde ich auf der Platte nicht mehr verändern, ich bin hundertprozentig damit zufrieden.
Kurt zu der Kontroverse um Steve Albinis Abmischung und die nachträgliche Neuabmischung von "In Utero"

Ich wollte einen Song zum Thema Vergewaltigung schreiben, der sich für die Frauen einsetzt. Die Leute haben sich in den letzten Jahren dermaßen schwer damit getan, zu verstehen, was wir rüberbringen wollen, was unsere Message ist, dass ich beschloss kein Nlatt mehr vor den Mund zu nehmen. Wie sehr sollte ich es auswalzen, wie deutlich sollte ich werden? Es ist kein schönes Bild? Aber eine Frau, die vergewaltigt worden ist, die total wütend ist... verstehst du: "Los, vergewaltige mich, nur zu, denn du wirst teuer dafür bezahlen." Ich glaube an Karma - früher oder später wird der Scheißkerl sein Fett schon abkriegen. Sie werden ihn schnappen, einlochen und er wird vergewaltigt werden. "Vergewaltige mich, los brings hinter dich. Denn dich wirds noch schlimmer erwischen."
Kurt zum Titel von "Rape Me"

Sie wurde etliche Male in die Psychatrie eingeliefert, und in dem Laden in Washington, in dem sie schließlich landete, ließen die Wärter die Leute den ganzen Flur entlang schlangestehen und darauf warten, sie zu vergewaltigen. Sie war jahrelang zusammengeschlagen und vergewaltigt worden, Tag für Tag. Die meiste Zeit hatte sie nicht mal was zum Anziehen. Besonders Courtney hatte einen Bezug zu Frances Farmer. Ich habe die beiden miteinander verglichen. Als ich das Buch las, wurde mir klar, dass Courtney so was auch passieren könnte, wenn das alles so weiterging. Man ist einfach nicht grenzenlos belastbar, verstehst du? Ich habe von den Ärzten und Psychiatern gehört, dass öffentliche Erniedrigung eine sehr extreme Erfahrung ist, von der man sich nur sehr schwer aus eigener Kraft heilen kann. Es ist ähnlich schlimm, wie wenn man brutal vergewaltigt wird oder zusehen muss, wie die eigenen Eltern umgebracht werden oder so was in der Art. Es hört nie auf, frißt sich in einen rein, und es ist eben total persönlich. Diese Frances Farmer-Geschichte war eine Verschwörung im großen Stil, an der die ordentlichen Bürger und die Machthaber in Seattle beteiligt waren, besonders dieser eine Richter, der noch heute in Seattle lebt. Er stand an der Spitze der Kampagne, in deren Verlauf sie so erniedrigt wurde, dass sie schließlich durchdrehte. Am Anfang wurde sie eingeliefert - gegen ihren Willen -, obwohl sie noch nicht mal verrückt war. Sie wurde wegen Trunkenheit am Steuer festgenommen und daraufhin in die Klapse gesteckt. Das war eine gefährliche Zeit für Leute die gegen den Strom schwimmen.
Kurt über Frances Farmer, der er einen Song gewidmet hatte

Ich wollte die Leute einfach auf Tragödien wie diese aufmerksam machen. Das ist Realität, solche Sachen passieren wirklich. Es kommt vor, dass Leute in den Wahnsinn getrieben werden, dass sie eine Lobotomie verpasst kriegen oder dass sie ohne jeden Grund in der Klapse oder im Knast landen. Ich meine, erst ist sie der faszinierende, talentierte und hochangesehene Filmstar und zum Schluss wird sie am Gehirn operiert und arbeitet in einem Four-Seasons-Restaurant.
Kurt über Frances Farmer

Die meisten Texte sind völlig widersprüchlich. Ich schreibe ein paar Zeilen, die ich ernst meine, und in der nächsten mache ich mich dann darüber lustig.
Kurt

Ich mag er nicht, wenn Sachen zu offensichtlich sind, denn dann werden sie schnell abgeschmackt... Nicht dass es uns darum ginge, besonders mysteriös oder geheimnisvoll zu sein - ich finde einfach, Texte, die anders sind, seltsam und abgedreht, lassen schöne Bilder entstehen, und genau so gefällt mir Kunst.
Kurt

Auf dieser Platte habe ich mich ziemlich in Szene gesetzt. Es hat schon alles gestimmt, aber gleichzeitig habe ich auf diese Weise auch wieder mit all meinen hippen Altersgenossen aufgeschlossen, die schon längst indiemäßig drauf waren und sich darüber lustig machten, dass ich auf R.E.M und die Smiths stand. Ich hatte die ganze Punk-Nummer durchgezogen, hatte in Pisse- und Bierpfützen auf dem Boden gepennt, war neben nem Kerl mit Irokesenschnitt aufgewacht, Skateboards, Speed, der ganze Scheiß. Aber ich habe es gehaßt. Mit siebzehn war ich darüber weg.
Courtney zu der LP "Pretty On The Inside"

Violet hat offiziell an Halloween in St. Andrews Hall in Detroit das Licht der Welt erblickt, wo wir als Vorgruppe für die Laughing Hyenas vor vierzig Leuten spielten. Ich saß während des Soundchecks draußen im Transporter, wir hatten vier Songs von Nevermind im Programm, und ich war so verdammt eifersüchtig auf diese Songs, dass ich einfach versuchen musste, was Besseres zu machen. Ich konnte es nicht fassen, dass jemand, den ich kannte, einer aus unserer Szene, so gewaltige Songs geschrieben hatte.
Courtney, 1995

Ich hoffe bloß, ich werde nicht langweilig vor lauter Glückseligkeit. Aber ich glaube, ich werde immer neurotisch genug bleiben, um irgendwas Abgedrehtes zu machen.
Kurt, 1994