Was die anderen sagten
Kurt hatte etwas Selbstzerstörerisches an sich. Er konnt ungemein rücksichtslos gegen sich selbst sein, besonders in der Anfangsphase.
Chad Channing gegenüber der Journalistin Jo-Ann Greene

Persönlich fand ich Cobain ungemein symphatisch, aber die Eigenschaften, die ich an einem Menschen schätze, müssen sich nicht notwendigerweise mit denen des ersten Superstars des amerikanischen Punk decken. Es sei denn, sie lassen sich etwas revidieren. So ist seine natürliche Zurückhaltung als Gleichgültigkeit ausgelegt worden, seine Bescheidenheit als Paranoia, seine Aufrichtigkeit als Arroganz, seine Intelligenz als Dünkel. Und dann kommt ein Journalist aus San Francisco daher und prangert diese Burschen an, bloß weil sie so widerborstig sind und eine ungesund blasse Haut haben... "Oh Gott, sieh doch, Mama, jetzt müssen wir schon wieder mit so einem heroinsüchtigen Popstar spielen!"
Ein Autor der AP über Kurt Cobain

Die Leute sehen ihn alle als einen Gott an, und das kotzt ihn an. Er bekommt so das Gefühl vermittelt, er sei etwas Höheres, obwohl er spürt, dass ihm soviel Bedeutung gar nicht zusteht... Am liebsten würde er jeden, der ihn fotografiert erwürgen.
Nils Bernstein

Wir waren froh, so kreative und interessante Leute hier zu haben. Sie waren mustergültige Nachbarn.
Die Nachbarn der Cobains, nachdem sie von Kurts Tod erfahren hatten.

Keiner von uns wäre wohl heute Abend hier, wenn es Kurt Cobain nicht gegeben hätte.
Eddie Vedder von Pearl Jam zu seinem Publikum am Abend nachdem Kurts Leiche gefunden wurde.

Unsere Bands spielten 1991 beide auf dem Festival in Reading, das war kurz vor dem Wahnsinnserfolg von Nevermind. Gegen Ende eines absolut wilden Sets sprang Kurt über die Monitore in den für die Fotografen abgesperrten Bereich, wo Dave Markey gerade unseren Tourfilm The Year Punk Rock Broke drehte. Hunderte von Armen streckten sich Kurt entgegen und griffen nach ihm. Kurt, der immer noch spielte, wanderte zu Markey rüber, beugte sich über das Kameramikrophon und sagte: "Das ist eine Blues-Skala in E." Er zog sich selbst und sämtliche Gitarrenheroen durch den Kakao.
Lee Renaldo von Sonic Youth über das Erlebnis mit Kurt, an das er sich am liebsten erinnert

Courtney ist so eine jämmerliche Figur. Als ich sie kennenlernte, damals als ich sie unter Vertrag nehmen wollte, hatte sie nichts Besseres zu tun, als ununterbrochen ihren Mann runterzumachen. Sie meine: "Oh, Hole sind ja viel besser als Nirvana!" und schweifte dauernd ab. Sie hört unheimlich gerne sich selbst reden. Die Hälfte der Sachen, die sie sagt, meint sie gar nicht so, aber sie hat einfach ein unglaubliches Konkurrenzdenken drauf, und wer erfolgreich ist, den macht sie runter. Mehr steckt da einfach nicht dahinter. Ich finde, sie ist wirklich talentiert, aber sie braucht, etwas woran sie sich festhalten kann, eine innere Zufriedenheit. Wenn sie dir nicht findet, dann weiß ich nicht, was aus ihr mal wird. Und das gilt für alle Menschen.
Madonna, 1995

Ob ich Mitleid mit Courtney habe? ... Ich würde sagen, es tut mir leid, dass sie jemanden verloren hat, den sie offenbar geliebt hat, aber eine große Überraschung war das ja wohl für niemanden. Wenn man so viele Drogen nimmt, ist es nur eine Frage der Zeit, würde ich denken. Und eins ist wohl klar: Sie ist da, wo sie ist, weil sie sich selbst in diese Position gebracht hat. Sie ist kein Opfer
Madonna, 1995

Ich denke jeden Tag an Kurt und vermisse ihn und es ist mir sehr bewusst, dass ich ihn vermisse. Aber gleichzeitig geht das Leben weiter und es ist wichtig für mich, in Bewegung zu bleiben. Ich weiß nicht ob die Foo Fighters dazu beitragen, dass es sonst irgend jemandem besser geht, aber ich weiß, dass ich es für mich selbst machen muss. Ich brauche das Gefühl, dass ich mich weiterentwickle.
Dave Grohl, 1995

Ich habe die letzten paar Wochen viel mit Kurt geredet... Wir hatten ein Musikprojekt am Laufen, hatten aber noch nichts aufgenommen. Er liebte Courtney und Frances Bean und er liebte auch Krist und Dave und Nirvana. Er hat diese Leute wirklich geliebt. Sein Tod ist ein großer Verlust und ich glaube, mehr kann ich im Augenblick wirklich nicht dazu sagen.
Michael Stipe, R.E.M., 1994

Ich war völlig platt, als ich hörte, dass Kurt Cobain meine Musik gefiel und ich wollte ihn immer mal fragen, warum er Man Who Sold The World gecovert hat. Es war eine prägnante, schlichte Interpretation, die sehr ehrlich wirkte. Es hätte mir Spaß gemacht, mit ihm zusammenzuarbeiten, aber schon allein mit ihm zu reden wäre echt cool gewesen.
David Bowie

Alle waren so fasziniert von Nirvana, weil sie so viele Platten verkauften - anstatt dass sie es faszinierend fanden, dass der Mann erstklassige Texte schreibt, die auch noch richtig rocken!
Chris Robbins, The Black Crowes

Während der Nevermind Tour gaben wir ein Konzert im Mississippi Nights Club in St. Louis und die Nirvana-Leute rissen schon den ganzen Tag ihre Witze über die Randale, die es dort zuvor bei Guns'n'Roses gegeben hatte. Kurt sagte, dass er auch Randale machen wollte, aber ich glaube nicht dass ihn jemand ernst genommen hat. Nirvana mussten an diesem Abend unser Equipment benutzen, weil sie am vorigen Abend wirklich alles zu Schrott gehauen hatten. Zwanzig Minuten bevor ihr Set losging, kam Dave reingestürmt und erzählte, Kurt hätte gerade den gesamten Club auf die Bühne eingeladen, weil so viele von den Kids versucht hätten, zu ihnen hochzukommen. Uns wurde plötzlich klar, dass unser Equipment ja da oben stand und wir rannten rein, um es in Sicherheit zu bringen. Kurt und Krist saßen am Bühnenrand, total perplex, während 500 Kids um sie herumwuselten. Die Stimmung kochte langsam hoch und die Besitzer riefen die Bullen. Als die kamen, hielt Krist eine lange Ansprache, wie wichtig es wäre, dass alle miteinander auskämen. Er redete solange auf die Leute ein, bis sie sich wieder hinsetzten und brachte die Bullen dazu, niemanden festzunehmen. Nirvana fingen später wieder an zu spielen und der Club blieb extra länger geöffnet, damit sie ihr Set fertigspielen konnten. Sogar die Bullen blieben da und hörten sich das Konzert an. Was als absolutes Chaos angefangen hatte, endete in friedlicher Stimmung. So wichtig war es den Leuten, Nirvana zu hören.
Blackie Onassis, Urge Overkill

Behaltet Kurt so in Erinnerung, wie er war: Engagiert, großzügig und liebevoll. Und haltet euch an seine Musik. Die wird und immer bleiben.
Krist Novoselic

Erlöst uns von Nancy-Spungen-fixierten Heroin-Fotzen, die sich an unsere besten Rockbands hängen und sie um Sinn und Verstand bringen.
Julian Cope über Courtney Love

Im Frühjahr 1989 gaben Nirvana ein Konzert in einem Gemeindezentrum in meiner Heimatstadt Ellensburg in Washington. Ich war völlig hin und weg - die waren wie The Who in ihrer Blütezeit. Nach zwei Songs brach irgend so ein Idiot, der da arbeitete das Konzert ab... Sie hatten ihr Zeitlimit überschnitten, weil die zehn regionalen Bands, die zuerst gespielt hatten, alle überzogen hatten. Sie standen also einen Moment lang einfach nur da, und dann warf Krist seinen Bass in die Luft, bis an die Decke, sechs Meter hoch, und fing ihn mit einer Hand wieder auf. Gleichzeitig ließ Kurt seinen voll aufgedrehten Verstärker dröhnen, und ihr Roadmanager lieferte sich einen Boxkampf mit dem Idioten. Es war alles völlig absurd. Und das ausgerechnet in Ellensburg! Ich bin bis heute der Meinung, dass das die beste Band war, die ich je gesehen habe. Und ich vermisse den Jungen mehr als ich sagen kann.
Mark Lanegan, Screaming Trees

Das war 1987, in seiner Wohnung, die mit allem möglichen Billig-Kaufhaus-Kram vollgestopft war. An der Wand hingen riesige Poster von Queen und den Rolling Stones, und überall standen Käfige mit Tieren rum. Ich weiß noch genau, dass mich eine seiner zahmen Ratten biß und ich ziemlich laut brüllte. Er erschien mir damals wie so ne Art Achtziger-Jahre-Beatnik. Der Junge verbrachte offenbar nicht sehr viel Zeit mit Arbeiten und lebte nach einer Art Billig-Kaufhaus-Ästhetik.
Bruce Pavitt, einer der Besitzer und Gründer von Sub-Pop, erinnert sich an seine erste Begegnung mit Kurt

Kurt hatte höllische Angst vor Sportskanonen und Schwachköpfen.
Matt Lukin, Mudhoney

Hypnotische und ehrliche Heaviness von diesen Popstars aus Olympia. Sie sind jung, haben einen eigenen Transporter und werden uns reich machen!
Sub-Pop Pressemitteilung zu "In Bloom"

Mai oder Juni 1991, Jabberjaw, Los Angeles. Ein Spontankonzert, während Nevermind in der Mache war. Ungefähr 400 Glückliche traten sich in diesem schmuddeligen, winzigen Avantgarde Laden auf die Füße und schwitzten und stanken wie einer. Sämtliche Rockvoyeure und Bandfreaks aus der ganzen Stadt waren gekommen, um zum erstenmal die Songs zu hören, die später auf Nevermind erscheinen sollten. Das Konzert war ein einziges Chaos, aber wie immer war es von Nirvanas wilder, kindlich-unschuldiger Ausstrahlung erfüllt. Ich weiß noch, dass ich irgendwie Teile von Smells Like Teen Spirit und Lithium aus dem Krach und Chaos herausfilterte und völlig überwältigt war. Nirvana waren einfach genial.
Eric Erlandson von Hole über sein schönstes Erlebnis mit Nirvana

Er war unglücklich bevor er berühmt wurde, und er war unglücklich als er berühmt war. Er war einfach unglücklich.
Nirvana-Manager Dany Goldberg über Kurt


Der autoritätsfeindlichste Mensch, den ich kenne, ist Kurt. Er ist so einer, der auf Leute zugeht und ihnen ins Gesicht schreit: "Warum? Warum? Warum?" Ich kann mir oft erklären, warum etwas so ist, wie es ist, auch wenn ich nicht damit einverstanden bin. Kurt ist der Typ, der sich da draußen die Seele aus dem Leib brüllt.
Krist Novoselic, 1992

Ich finde, Underground-Musik sollte Underground bleiben. Nirvana war früher eine meiner Lieblingsbands. Aber jetzt ist das irgendwie nur noch öd. Ich habe nicht mal mehr Lust, eine Nirvana-Platte aufzulegen. Teen Spirit ist ein super Song. Aber wenn ich höre, wie sich irgendwelche Vollidioten, irgendwelche hirnlosen Muskelmänner oder so, darüber unterhalten, dann werde ich richtig traurig. Wahrscheinlich behagt es mir einfach nicht, dass sie so ein Publikum haben. Es ist echt ärgerlich, dass all diese Deppen auf sie stehen. In gewisser Weise ist Nirvana zu einer Sorte Idol geworden.
Kim Gordon, Sonic Youth, 1992

Diese Mehrdeutigkeit - das ist das ganze Geheimnis. Was die Kids an der Musik anzieht, ist, dass er nicht unbedingt der Sprecher einer Generation ist, aber dass das alles in der Musik drinsteckt... die Leidenschaft, und dass er will, aber dass es ihm stinkt. All diese Dinge laufen gleichzeitig auf verschiedenen Ebenen ab und wirken zusammen. Ich weiß nicht, was "Teen Spirit" bedeutet, aber dass es etwas bedeutet, ist völlig klar. Und es geht total unter die Haut.
Butch Vig, der Produzent von Nevermind, 1992

1987 bin ich zu einer Offenen Bühne im Community World Theatre in Tacoma gegangen. Eine Band hatte einen Sänger mit langen Haaren und einen Schlagzeuger mit Schnurrbart und kurzen Haaren. Sie spielten Songs von Credence Clearwater Revival. Ich fand sie nicht gerade berauschend. Viel später bin ich dann mal zu einem Nirvana-Konzert im Vogue in Seattle gegangen und dachte mir, den Sänger auf der Bühne kennst du doch irgendwoher. Bis mir dann einfiel: "Oh, das sind ja die Jungs, die die CCR-Covers spielen.
Patty Schemel von Hole

Kurt konnte sehr aufgeschlossen, witzig und charmant sein und dann kaum eine halbe Stunde später launisch und verschlossen in irgendeiner Ecke hocken. Wenn ich Krist fragte: "Ist alles in Ordnung mit ihm?", meinte er: "Er ist schon okay, manchmal ist er einfach still." Und dann ging's ihm auch wieder besser.
Butch Vig